Sicherheitsklassen bei Sicherheitsschuhen erklärt

SB, S1, S1P, S2, S3, S4, S5 – inkl. neuer Norm EN ISO 20345:2022

Wer Sicherheitsschuhe kauft, stößt schnell auf Kürzel wie S1P, S3 oder S5. Diese Bezeichnungen sind keine Marketingbegriffe, sondern klar definierte Schutzklassen nach EN ISO 20345.
Die richtige Wahl entscheidet über Sicherheit, Tragekomfort und Haltbarkeit – die falsche über nasse Füße, Ermüdung oder unnötige Kosten.

Dieser Leitfaden erklärt alle relevanten Sicherheitsklassen, Zusatzkennzeichnungen und typische Einsatzbereiche – kompakt, fachlich korrekt und praxisorientiert.

1. Was regelt die Norm EN ISO 20345?

Die EN ISO 20345 ist die maßgebliche europäische Norm für Sicherheitsschuhe.
Sie legt Mindestanforderungen fest für Schuhe mit Zehenschutzkappe, die einem Aufprall von 200 Joule standhalten muss.

Je nach zusätzlicher Ausstattung werden Sicherheitsschuhe in Schutzklassen (SB–S7) eingeteilt.


2. Alle Sicherheitsklassen im Überblick

SB – Basisschutz

  • Zehenschutzkappe (200 J)

  • Keine Antistatik, kein Fersenaufbau

Einsatz: kaum noch relevant, Sonderfälle


S1 – Für trockene Innenbereiche

Zusatzanforderungen:

  • Antistatisch (A)

  • Energieaufnahme im Fersenbereich (E)

  • Geschlossener Fersenbereich

  • Kraftstoffbeständige Sohle (FO)

Typisch: Werkstatt, Industrie (trocken)


S1P – S1 + Durchtrittschutz

  • Alle Eigenschaften von S1

  • Durchtrittsichere Zwischensohle (P)

Einsatz: Lager, Logistik, Montage
Nicht wasserabweisend


S2 – Feuchtigkeitsschutz ohne Durchtrittschutz

  • Alle Eigenschaften von S1

  • Wasserabweisendes Obermaterial (WRU)

Einsatz: Lebensmittelindustrie, Reinigung
❌ Kein Durchtrittschutz


S3 – Der Allrounder

  • Alle Eigenschaften von S2

  • Durchtrittschutz (P)

  • Profilierte Laufsohle

Einsatz: Bau, Handwerk, Outdoor, Industrie
➡️ Meistverkaufte Schutzklasse


S4 – Sicherheitsstiefel (Gummi/PU)

  • Zehenschutzkappe

  • Antistatisch

  • Energieaufnahme im Fersenbereich

  • Komplett wasserdicht

Bauform: Gummi- oder PU-Stiefel
Einsatz: Landwirtschaft, Reinigung, Lebensmittel


S5 – Maximaler Schutz bei Nässe

  • Alle Eigenschaften von S4

  • Durchtrittschutz

  • Profilierte Laufsohle

Einsatz:

  • Kanalbau

  • Landwirtschaft

  • Chemie

  • extreme Nässe

⚠️ S5 ist nicht „besser“ als S3 – sondern für andere Bedingungen gedacht.


3. Neue Normgeneration: EN ISO 20345:2022

Die aktuelle Norm erweitert die Klassifizierung:

Neue Klasse Bedeutung
S6 S2 + komplett wasserdicht (WR)
S7 S3 + komplett wasserdicht (WR)
PL Durchtrittschutz Textil
PS Durchtrittschutz Metall
SR neue Rutschhemmung (ersetzt SRC)

👉 Noch nicht überall umgesetzt, aber zunehmend relevant.


4. Zusatzkennzeichnungen – oft entscheidender als die Klasse

Kürzel Bedeutung Praxis
SR / SRC Rutschhemmung Industrie, Gastro
ESD elektrostatische Ableitung Elektronik
HRO hitzebeständige Sohle (300 °C) Bau, Asphalt
CI Kälteisolierung Winter
HI Wärmeisolierung Heißbereiche
WR komplett wasserdicht Dauerregen
WRU wasserabweisend Alltag
FO öl- & kraftstoffbeständig Werkstatt

 


5. S1P vs. S3 – der wichtigste Vergleich

Kriterium S1P S3
Durchtrittschutz
Wasserabweisend
Outdoor
Gewicht leichter robuster
Einsatz Innen Innen & Außen

 

Kurz:

  • S1P → leicht & trocken

  • S3 → wetterfest & universell


6. Materialien – warum Schuhe unterschiedlich schwer sind

Zehenschutzkappen

  • Stahl: maximaler Schutz, schwer

  • Aluminium: leichter

  • Composite: leicht, thermisch neutral

Durchtrittschutz

  • Stahl: sehr stabil, weniger flexibel

  • Textil (PL): leicht, ergonomisch


7. Typische Fehlkäufe

  • S1P im Außenbereich → kalte, nasse Füße

  • S3 für reine Innenarbeit → unnötig schwer

  • Keine Rutschhemmung in nasser Umgebung

  • Falsche Größe → Ermüdung, Rückenprobleme


8. Branchenempfehlungen

  • Bau: S3 / S7 + SR + HRO

  • Lager: S1P + SR

  • Elektrik: S1P oder S3 + ESD

  • Gastro: SR + WRU

  • Landwirtschaft: S4 oder S5


9. Fazit

Es gibt keine beste Sicherheitsklasse, sondern nur die passende.
Wer die Umgebung kennt (nass, trocken, innen, außen), vermeidet Fehlkäufe und arbeitet sicherer.

Merksatz:

So viel Schutz wie nötig – nicht mehr, nicht weniger.